Unerfüllter Kinderwunsch und Angst

28.05.2019

Alex & Romy

Alex & Romy

Kinderwunsch-Coach und Paarberater

Angst, niemals schwanger zu werden, Angst, niemals ein eigenes Kind zu haben, Angst, den Partner zu verlieren, Angst vor den Blutergebnissen, Angst vor der einsetzenden Blutung, Angst vor der anstehenden Untersuchung, Angst vor einer Fehlgeburt, Angst vor den Fragen auf der Familienfeier…

Der unerfüllte Kinderwunsch und das Gefühl der Angst sind eng verbunden.

Angst ist mächtig und unheimlich. Neben der Angst kommen wir uns so klein vor, wir mögen sie nicht. Dabei will sie uns in vielen Situationen helfen, sie will uns schützen. Und sie will uns etwas mitteilen. Auch im unerfüllten Kinderwunsch.

 

Angstquellen beim Umgehen mit unerfülltem Kinderwunsch

Unsere Gesellschaft beschäftigt gerade ein allgemeines Klima der Unsicherheit und das kann bei uns Ängste, die vielleicht schon immer in uns geschlummert haben, hervorholen. Und wenn wir gleichzeitig im unerfüllten Kinderwunsch feststecken, kommen weitere Ängste zum Vorschein. Vielleicht die oben genannten aber vielleicht auch Ängste aus der Kindheit, ewig verdrängte Ereignisse, die jetzt wieder gegenwärtig sind. Auch die Unmengen an Informationen, die während des unerfüllten Kinderwunsches verarbeitet werden müssen, kann in uns das Gefühl, die Kontrolle über unseren KiWu zu verlieren, auslösen und schon klopft die nächste Angst an. Meist gefolgt von einer weiteren Angstquelle: Entscheidungsangst. Die Entscheidungsangst ist beim Umgang mit der ungewollten Kinderlosigkeit weit verbreitet.

 

Wenn in der Nacht die Angst vor dem unerfüllten Kinderwunsch größer wird

Bei uns kam gerade im unerfüllten Kinderwunsch oft nachts die Angst angeflogen wie ein Gespenst. Tagsüber waren wir beschäftigt und abgelenkt und nachts sind wir wachgeworden und plötzlich waren da riesige Ängste, die am Tag darauf ihren Schrecken größtenteils verloren hatten.

Und hierfür gibt es eine Erklärung: Wir Menschen sind evolutionsbedingt nachts anfälliger für Ängste. Denn bevor wir das Feuer entdeckten und Hütten bauten, waren Ängste insbesondere in den nächtlichen Stunden ständige Begleiter und überlebenswichtig. Hinzu kommt, dass wir tagsüber verschiedene motivierende Hormone ausschütten, damit wir unser Tagewerk zielgerichtet meistern können und uns damit gegen die Angst richten können.

Wir haben ganz oft unsere Kinderwunsch-Ängste nachts aufgeschrieben, um sie am nächsten Tag betrachten zu können. Das hat uns nachts beruhigt und am nächsten Tag haben wir dann ganz oft festgestellt, dass sie ganz klein geworden sind. Das hat bei uns bis heute den entspannenden Effekt, dass wir nachts unsere Ängste auf den nächsten Tag verlegen, um sie bei Tageslicht zu betrachten und das mit dem Wissen, dass sie dann an Größe verloren haben werden.

 

Die Effekte der Angst – nicht nur im Kinderwunsch

Aber was macht Angst? Angst kann unterbewusst unser Verhalten steuern und uns blockieren. Wenn wir uns nicht mit der Angst auseinandersetzen, kann sie sich auch auf unseren Körper auswirken.

Uns mit der Angst auseinanderzusetzen, müssen wir uns sehr häufig erst einmal beibringen. Denn in unserer Kindheit haben wir gelernt, negative Gefühle zu vermeiden. Wir denken, wenn wir sie zulassen, dann gehen sie niemals vorbei oder sie werden noch schlimmer. Wenn ich als Kind Angst hatte, dann haben die Erwachsenen meistens gesagt, dass ich doch keine Angst haben muss und so habe ich nach und nach gelernt, dass ich Gefühle wie Angst, aber auch Trauer und Ohnmacht am besten einfach wegschiebe.

Doch wenn wir NEIN zu unserer Angst sagen, wird sie immer größer und manifestiert sich in unserem Körper. Unser Immunsystem wird blockiert und fährt dann runter. Unser Körper kommt in einen Modus „kämpfen“ oder „flüchten“, denn die Angst suggeriert ihm, dass sie um unser Überleben fürchtet, entsprechend richtet sich unsere Energie aus und unser Hormonhaushalt wird durcheinandergeruckelt.

Und das gerade jetzt, mitten im noch unerfüllten Kinderwunsch, wo wir ein intaktes Immun- und Hormonsystem so sehr brauchen.

 

Kinderwunschdiagnosen und Angst

Und mitten im Angst- und Unsicherheitschaos bekommen wir dann auch noch eine Diagnose oder eine Prognose von einem Arzt, der uns im unerfüllten Kinderwunsch behandelt. Und diese wiederum kann in uns Angst auslösen und uns dazu bringen, vorgeschlagene Behandlungsmöglichkeiten aus dieser Angst heraus auszuwählen.

Doch an dieser Stelle ist Angst ein schlechter Ratgeber. Denn Angst erschwert den Zugang zu jenem Teil im Gehirn, der für Entscheidungsfindung, Aufmerksamkeit und übergeordnetes Denken zuständig ist. Hinzu kommt, dass Behandlungsmethoden oft langfristig nichts bringen, wenn sie aus einer Angst heraus entstanden sind und nicht von innen heraus kommen.

Es macht also doppelt Sinn, wenn wir uns im ersten Schritt mit unserer Angst auseinandersetzen und dann erst im zweiten Schritt Kinderwunsch-Behandlungsmethoden auswählen.

Ich kann mich noch sehr gut an unseren Termin in der Kinderwunschklinik erinnern, an dem alle Untersuchungsergebnisse besprochen und Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt wurden. Ich hatte Angst, Zeit zu verlieren und für mich kamen alle vorgeschlagenen Behandlungsmöglichkeiten in Frage.

Aber Zuhause habe ich mir dann ganz in Ruhe meine Angst angeschaut und sie zunächst einmal zugelassen. Da war die Angst, nie eine Schwangerschaft spüren zu können und nie Mutter sein zu können. Und ich habe gesehen, da ist diese Angst und da bin ich. Ich bin ich und die Angst ist nur ein Teil von mir. Ich habe ganz bewusst in die Angst hereingespürt. Wie fühlt sie sich an? Wo im Körper spüre ich sie? Ich habe ihr Zeit und Raum gegeben und sie zugelassen. Und sie hat sich beruhigt.

Denn unsere Ängste werden nur dann größer, wenn wir sie nicht sehen wollen. Die Angst hatte sich bei mir in diesem Moment beruhigt und ich habe gespürt, dass ich sie überlebe und alles erlauben kann, was gerade da ist und nichts anders sein muss als es gerade ist. Und in diesem Moment habe ich mir die vorgeschlagenen Kinderwunsch-Behandlungsmethoden angeschaut und hinterfragt und habe bei einigen immer wieder ein deutliches „Nein!“ gespürt. Dann haben Alex und ich einen Entscheidungsbaum aufgemalt und konnten so unsere Entscheidung mit Herz und Verstand treffen.

Ich habe gelernt, mir meine Ängste immer ganz genau anzuschauen und sie auch im Körper ganz bewusst zu fühlen. Ich versuche, mir die Angst bildlich vorzustellen und frage mich, was sie von mir will. Mir einfach nur Angst machen? Oder will sie mir vielleicht etwas mitteilen? Mich warnen oder einen Ratschlag geben? Das hat mir eine ganz neue Einstellung zu ihr gegeben.

 

Unerfüllter Kinderwunsch und Angst – Vertiefendes zu diesem Thema

Angst im unerfüllten KiWu kommt häufig auch daher, dass man nicht genau weiß, mit welchen der vielen Probleme man sich zuerst beschäftigen soll. Der ZUKUNFTSGLÜCK-NAVIGATOR lässt die individuellen Problemfelder im unerfüllten KiWu erkennen, so dass man gezielt mit ihnen umgehen kann.

Zu zweit kann man mit den Ängsten im unerfüllten KiWu besser umgehen, wenn die eigene Partnerschaft / Beziehung darauf vorbereitet ist.