Können wir uns noch mit einer Lebenssituation abfinden? – Entscheidungen und unerfüllter Kinderwunsch | GASTARTIKEL

31.12.2019

Alex & Romy

Alex & Romy

Kinderwunsch-Coach und Paarberater

Entscheidungen und unerfüllter Kinderwunsch. Zwei Themen, die eng miteinander verbunden sind und es immer sein werden.

Ein toller Gastbeitrag aus der Zukunftsglück-Community, rund um die Spannungsfelder zwischen Entscheidungen, unerfülltem Kinderwunsch und anderen Lebensthemen. Mit viel Tiefe und Offenheit reflektiert die Autorin die essenzielle Frage, ob wir uns heute noch mit schwierigen Lebenssituationen – wie der ungewollten Kinderlosigkeit – abfinden können und bereit sind, die dafür notwendigen Entscheidungen zu treffen.

Der Artikel bietet jede Menge Denkanstöße zur Reflektion der eigenen Lebens- und Kinderwunsch-Situation. Und zum konstruktiven, eigenverantwortlichen Umgang damit…

WIR DANKEN der Verfasserin (die anonym bleiben möchte) GANZ HERZLICH für ihre wertvollen Worte!

 

GASTBEITRAG | Können wir uns noch mit einer Lebenssituation abfinden? | Entscheidungen und unerfüllter Kinderwunsch

 

Können wir uns noch mit einer Lebenssituation abfinden? – Entscheidungen und unerfüllter Kinderwunsch

Gastartikel von: Autorin möchte anonym bleiben  |  Beitragsbild: Unsplash.com (Denys Nevozhai) | Entscheidungen und unerfüllter Kinderwunsch

Das Buch „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ von Richard David Precht erschien im Jahr 2007 und immer mal wieder fällt es mir in die Hände. Den Kapiteln gab der Autor Fragen. Zum Beispiel zum Thema Kinderwunsch und den vielen Möglichkeiten, seine Nachkommen gestalten zu können.

Er fragt: „Wohin führt die Reproduktionsmedizin?“ Die Antwort darauf lautet, dass Entscheidungen zu weiteren Kausalzusammenhängen führen werden und die Menschen weitestgehend hervorbestimmt modelliert werden, um den Normen zu entsprechen.

 

Was macht diese Einflussnahme auf den Kinderwunsch mit uns? Und mit unseren Entscheidungen im unerfüllten Kinderwunsch?

Zufälle und Individualität sind nicht mehr wünschenswert, doch Ideale entstehen ja durch Minderheiten. Was werden wir dann schön finden, wenn unsere Eltern für uns entschieden haben, nach ihrem Verständnis her „schön“ für sie zu sein? Wie werden Kinder über ihre Eltern urteilen, die sie bewusst geformt haben?
Unsere Zivilisation wird eine wichtige Fähigkeit verlernen. Dass ein Mensch nicht das Recht auf irgendetwas hat und, dass man manchmal lernen muss, mit Tatsachen und unweigerlichen Lebensrealitäten umzugehen und sie zu akzeptieren. (Precht, 2007, S. 250-262)

Es gibt natürlich noch viele andere Denkanstöße zum Thema „Reproduktionsmedizin“. Mir blieb vor allem der Satz hängen, dass die Menschheit verlernt, sich mit gewissen Dingen im Leben abzufinden.
Ich bin die erste die laut schreit, „Herr Precht, ich kann das schon jetzt nicht mehr!“

 

Lebensprojekte, designte Identitäten und Glück

Ich bin ein Kind der Generation X und alle Türen standen uns offen. Digital, medial und global. Die Mauer fiel und so viele Umbrüche gestalteten mein Leben. Vor allem ist eins sicher, dass sich immer alles verändern wird und ein Umbruch dem nächsten folgt.
Und weil alles so unsicher ist, Grenzen nicht mehr gelten, ist meine Generation hilfesuchend nach der einen sicheren Tür. Wir ahnen, dass es sie nicht gibt und lernen uns mit „Lebensprojekten“ zu verkaufen. Wir schreiben und performen etwas, von dem wir momentan überzeugt sind und erfinden uns in Identitäten, die wir mit Anderen teilen. Mal ist es die Ersatzreligion Ernährung, mal Yoga, mal Travel oder Sex und Dating-Tipps und manchmal ist es der Dauerbrenner „die perfekte Figur“.

Wir verkaufen online einen „Glauben“ und Skills, als ob Glück etwas wäre, das man wie ein IKEA-Regal nach einer Anleitung aufbauen kann. Da wir alle keine Ahnung, sondern vor allem Angst haben, die „falsche“ Option zu wählen und endlich unseren Arsch wirklich hoch zu kriegen und unsere Träume zu verwirklichen, reden wir uns öffentlich mit unseren Befindlichkeiten daher, dass dieser eine wackelige Strohhalm unser Herzensweg sei.

„Du bist noch jung, du wirst deine Meinung noch dreimal ändern!“

(Scherbenpark, Trailer, 2013, 1:23 h)

Dahinter steckt die bittere Wahrheit der Unsicherheit und einer Rechtfertigung, weil wir es wirklich nicht wissen. Schau her, hier sind die Likes, die eine Beweihräucherung oder Absolution darstellen könnten. Ungefähr so, als ob uns Greta Thunberg allen in die Augen schaut, bevor wir wieder in den Urlaub fahren und wieder das Auto nutzen. Wir alle wissen ganz genau, was wirklich richtig wäre.

Wir alle haben im Film „La la Land“ gesessen und geweint. Wir alle haben gesehen, dass der sogenannte Traum des Lebens eines erfordert. Alles! Die 100 % werden dafür nicht reichen, auch keine 4-Tage-Woche und die Liebe des Lebens läuft eben auch nur in künstlichen Hollywood-Kulissen so leichtfertig nebenbei daher. Wenn uns eins der Film gezeigt hat, dann, dass es nie für beide Lebensträume der Beiden als Paar gereicht hätte. Einer hätte seinen Traum aufgeben müssen. Was für ein mutiger Film, der uns zeigt, dass beide Lebensträume und die Liebe nur eine „Träumerei“ und nie wirklich zu realisieren gewesen wären.

Das heißt, wir müssen uns wirklich im Leben entscheiden. Entscheidungen, auch im unerfüllten Kinderwunsch.

Entscheidungen und unerfüllter Kinderwunsch? Was waren noch mal meine Werte? Wie weit gehe ich wirklich für meine Liebe und gebe ich mich auf? Und wenn ja, für was?
Wir ahnen, das „eine“ Glück gibt es nicht und schauen zu, wie die jüngeren Generationen unter uns und nach uns so tun, als ob – und damit kurz mal reich und berühmt werden. Dass Gleichberechtigung ganz easy ist. Und diese Kulissenkinder wollen uns dann noch erklären, wie die Welt funktioniert. Das ist, als ob mir ein Mann erklären will, was ich als Frau alles zu tun und zu fühlen hätte. Und wie mir ein Mann erklärt, wie ich zum Orgasmus komme.

Es ist der Kreislauf des Lebens und das Recht und die Pflicht der Jugend, zu rebellieren. Vielleicht war es nie anders.
Aber, bitte liebe Jungend, hört auf mir die Welt erklären zu wollen. Inzwischen frage ich mich, warum die Jugend nie zuhört. Aber das habe ich auch nie getan, sondern den Mittelfinger rausgestreckt und gedacht, bei mir ist aber alles anders. Und vielleicht war das auch nie anders. Vielleicht sollte auch ich den alten weisen Frauen zuhören.

Vielleicht ist aber etwas anders. Denn wir hören –  nach den Grenzen der Blasen, in denen wir uns bewegen – auf, uns menschlich wertzuschätzen und tolerant zu sein.
Man kann dem „Glück“ der Anderen zuschauen. Das Vergleichen findet nicht mehr im Klassentreffen alle 10 Jahre statt, sondern, wenn man möchte, alle paar Minuten in den sozialen Medien. Ich vermisse die sogenannte Toleranz und die Diversität, von der wir wirklich voneinander lernen können. Die meisten empfinden einen ungeheuren Druck, eine Performance und einen Lebensentwurf hinzulegen, der außerhalb von Instagram gleich verpufft und in dem Tempo nur zur Sinnkrise führen kann.

Will sich in den sozialen Medien noch jemand mit irgend etwas abfinden?

Entscheidungen und unerfüllter Kinderwunsch? Partner*innen, die nicht mithalten können, werden ausgetauscht. Wer die falschen Freunde, die falsche Sozialisation oder Hartz 4 hat, darf halt nicht mitspielen. Schließlich ist ja jeder für sein Leben selbst verantwortlich. Für sein Glück, seine Gesundheit, seinen Erfolg, seine Figur und seine Orgasmusfähigkeit. Selbst Schuld, wer hier nicht früh genug anfängt, an sich zu arbeiten.

Mir macht das ein wenig Angst.

Aber genau hier finde ich wohl die Antwort, warum ich mich einfach nicht mit der Kinderlosigkeit abfinden kann…

Bin ich mal ganz ehrlich zu mir selbst und frage mich, mit wie vielen Dingen im Leben ich mich denn sonst abfinde?
In wirklich jedem Lebensbereich fange ich an, daran zu arbeiten. Im Job, bei der Wohnung, in der Beziehung, der Gesundheit, der Bildung und dem Körper usw.
Das Leben ist ganz schön viel Arbeit geworden, denn es geht ja immer noch besser. Es lebe die direkte Konfliktfähigkeit mit gewaltfreier Kommunikation.

Schon als Kind liebte ich alle Geschichten und Filme über Zeitreisen. Das wäre doch was. Einfach zurück reisen mit dem Bewusstsein von heute und alles besser machen! Aber so einfach war das nicht mal in den Filmen von „Zurück in die Zukunft“. Gewisse Dinge waren unabänderlich. Marty Mc Flys Mutter war in jedem Raum-Zeit-Kontinuum dem Alkohol sehr zugeneigt. Und reich durch Wetten zu sein, machte selbst Biff nicht glücklicher.
Wie gehe ich jetzt damit um, wenn etwas nicht geht?
Z.B. meine Familienplanung. Entscheidungen und unerfüllter Kinderwunsch.

 

Wie kann ich damit umgehen? Entscheidungen und unerfüllter Kinderwunsch?

Seit Jahren frage ich mich das und wundere mich, dass junge Frauen sich öffentlich zu etwas bekennen: „Ich bin jetzt (fast oder über) 30 und verspüre einfach keinen Kinderwunsch! F**k you mit deinem ganzen Gelaber von der biologischen Uhr die tickt!“

Ich habe ja dasselbe gedacht, aber nicht gepostet. Ich weiß, dass sich gewisse Dinge und Ansichten durch Erfahrungen im Leben ändern können. Ich frage mich, wann wir endlich überdrüssig werden, die Social-Media-Momentaufnahmen zu lesen. Dass sich alles ändert, ist gewiss. „Du bist noch jung, du wirst deine Meinung noch dreimal ändern!“

Ich meine, als es mir gesagt wurde, habe ich auch allen innerlich den Stinkefinger zeigen wollen. Denn der Druck von außen und die nette Erinnerung, dass die biologische Uhr tickt, hilft dir auch nicht weiter, wenn deine Beziehung gerade den Bach runter läuft und du ganz genau weißt, dass ein Baby, die Beziehung gewiss nicht retten wird. Oder wenn die Beziehung, oder das, was es werden sollte, nicht mal als Seifenblase oder Affäre herhalten konnte. Oder, wenn eben in der Wüste Gobi einfach keine Oase in Sichtweite ist.

Es gibt Theorien, wie das Leben verlaufen sollte. Und es gibt das Leben.

Was tatsächlich noch täglich passiert, ist, dass man Frauen immer noch fragt, ob und wie viele Kinder sie haben und sie direkt auf den Bauch anschaut.

Ich meine, bis vor Kurzem glotzte man mir zuerst auf den Busen, jetzt auf den Bauch. Und ich frage mich, wem gehört eigentlich mein Körper?
Die Gesellschaft, die es ja eigentlich nicht möchte, tut es. Das ist Fakt. Immer wieder. Besonders und gerade wir Frauen untereinander. Oftmals sind es nicht mal die Männer – und das ist das eigentlich wirklich Traurige. Es ist nicht fair, dass Frauen ihre Fertilität früher als gedacht verlieren. Und das mit der Spermienqualität ist auch schade.

Aber so und nicht anders ist das Leben. Und es ist gemein, dass einige Frauen in der Öffentlichkeit stehen und mit einer Schwangerschaft über 40 Jahren dafür sorgen, dass Frauen denken, das mit der Familienplanung geht später noch. So ist es aber nicht. Diese Frauen verschweigen, wie ihre sehr teure Schwangerschaft wirklich entstand. Sehr wahrscheinlich mit einer Eizellenspende und nicht mit dem Samen ihres Partners.
Einerseits schön, dass wir in so vielen Dingen so viel gestalten können.
In manchen Dingen bleiben aber gewisse Situationen unabänderlich.

Und es fühlt sich jetzt an, als ob ich daran Schuld bin. Durch meine getroffenen Entscheidungen. Selbst Schuld, hätte ich halt anders leben müssen.
Für alle Entscheidungen gab es zu den jeweiligen Zeitpunkten sehr gute Gründe und ich habe sie genau abgewogen. Ich konnte sie genau abwiegen, dank den Verhütungsmöglichkeiten, meiner Bildung, meines Verstandes – und der Emanzipation sei dank! Gott sei dank!

Entscheidungen und unerfüllter Kinderwunsch. Wie kann man in solchen Momenten ein Kind kriegen? Mögen da einige Menschen fragen. Es ist das Leben und ich möchte nicht darüber werten oder urteilen. Wer möchte in solchen Momenten wirklich Gott spielen?
Ich dachte, ich könnte alles sein. Ein bisschen sexy Frau mit Hochschulstudium und diversen Lebenserfahrungen. Aber ein bisschen Muttersein geht halt nicht. Ganz oder gar nicht.

Und jetzt heißt es: Finde dich mit etwas – deinem unerfüllten Kinderwunsch – ab!

Vielleicht ist es das erste Mal für mich, dass ich mich wirklich mit etwas abfinden muss – mit meinem unerfüllten Kinderwunsch.
Für alles, was bisher nicht ging, gab es ja super Alternativen.
Heutzutage muss ich mich nicht mehr entscheiden. Nicht mal in der Liebe und in einem Geschlecht und das ist auch gut so. Aber hey, die vielen Möglichkeiten! Und für was soll ich mich entscheiden?

Manchmal glaube ich, mir fällt es schwer, mich überhaupt zu entscheiden.
Denn sich für etwas zu entscheiden, heißt, für eine Sache aufzugehen und für alle anderen Optionen schließen sich die Türen. Und das ist ein Auslaufmodell einer Tinder-Generation, die sich ständig neu erfinden muss.
Hey, selbst in der Beziehung geht es poly oder, per Genehmigung der Hauptbeziehung, mit einer Nebenbei-Affäre. Es gibt doppelte Staatsbürgerschaften.
Was das Reisen angeht: Ich muss mich nicht für einen Wander- oder Strandurlaub entscheiden. Ich könnte theoretisch alles in einem haben!

Ich habe beruflich und privat Vieles verwirklicht, wovon meine Mutter nicht mal träumen konnte. Vielleicht bin ich der Albtraum für sie, weil sie an mir sieht, was sie nie tun konnte oder auch nicht würde. Vielleicht müssen mich deswegen manche Mütter hassen. Denn ich lebe etwas, was sie nicht können. Sie leben etwas, das ich nicht leben kann, aber möchte. Es ist ja einfacher, sein Gegenüber doof zu finden, als zu sagen, das wünsche ich mir auch. Deswegen sind die bösen Kinderlosen ja auch so hedonistisch. So ein Quatsch!

Was uns allen fehlt, ist Ehrlichkeit und Offenheit beim Umgang mit dem unerfüllten KiWu!

Bin ich ehrlich und zeige mich verletzlich, dann sind es meine Freundinnen, mit und ohne Kinder, auch. Nur wenn ich ein Problem mit mir habe, haben andere Menschen ein Problem mit mir. Blöd nur, dass ich gerade ein Problem habe, das ich selbst noch nicht lösen kann. Das ist der Anfang vom Ende des Problems. Diese Akzeptanz. Ich kann nicht mein Problem lösen und komme nicht damit klar, dass ich mich nicht mit etwas nicht Abfinden kann.
Praktisch gesehen suche ich nach einer Anleitung oder besser noch nach der Pille danach, die mir hilft, mich mit etwas abzufinden, wenn ich glaube, dass ich mich falsch entschieden habe.
Herr Precht stellt in seinem Buch noch viele weiteren Fragen zum Sinn, der Moral und dem Glück.

Bin ich denn jetzt glücklich? Ich glaube nicht, dass es darum geht. Nicht an alles, was mich in einer Minute glücklich macht, erinnere ich mich später, dass es sich wirklich gelohnt hat.
War es denn alles wert?
Was gibt einem den Wert?
Ich erinnere mich gut, wie ich bei dem Film „Braveheart“ immer wieder weinen musste. In dem Moment, als Mel Gibson umgebracht wurde und „FREIHEIT“ rief!
Er kämpfte für seine Werte und wollte sich nie verbiegen.

Es gibt nicht die eine Sache, die mir den Wert meines Lebens gibt…

Ich bin stärker, emanzipierter, gebildeter, ruhiger und selbstliebender geworden. Leiser und stiller.
Es kann ja für einige so sein, dass ihnen alles gelingt. (Seid ihr wirklich ehrlich mit euch selbst?)
Für die Meisten ist klar, dass auch Scheitern im Leben dazugehört und „Irrwege ohne Ziel“ meist das sind, wo wir zu uns selbst finden.
Vielleicht wartete ich zu lange auf den richtigen Zeitpunkt für den Kinderwunsch. Ja, ich hatte wirklich Angst, etwas zu verpassen und ein Leben zu bereuen, das abertausend Frauen vor und nach mir bereuten. Hey, die Weltliteratur, die Kommentare meiner Oma und auch die Kinofilme sind voll davon. Willkommen in der Ambivalenz der Frauen, die gleichberechtigt leben wollen und das auch ernst meinen. Es ist mein gutes Recht, wirklich frei zu sein.

Es ist gar nicht so einfach, die viel erträumte Wahl der Generation meiner Oma und meiner Mutter zu haben. Ich kann wählen. Ich lasse nicht über mich bestimmen, ich gestalte mit. Ich mache Lebenserfahrungen, ich werde erfahrener. Ich lerne dazu. Wer sagt, dass ich alles immer richtig machen muss? Das ich mich immer richtig entscheide? Es ist nicht immer einfach, die Wahl zu haben und Dinge zu tun, die sich vorherige Generationen nicht trauten zu verwirklichen und zu leben. Ich habe auch keinen Almanach, wo ich nach schauen kann.

Ich hörte laut die Stimmen meiner Mutter und meiner Oma: „Lebe zuerst und bekomme später Kinder!“ Manchmal frage ich mich, ob meine Oma und meine Mutter richtig gelebt haben, nachdem sie Kinder bekamen und heirateten. Sie sind auch nicht rund um die Uhr glücklich nur weil sie eine Familie gründeten. Und Konflikte gab es genügend. Vor allem mit Männern, zu denen sie viel zu oft „Ja!“ statt „Nein!“ sagten.

 

Kinderwunsch, Entscheidungen und Beziehungen

Ich hoffe, ich kann ein Vorbild sein für Menschen, die nicht in Beziehungen stecken bleiben, in denen sie todunglücklich sind. Das ist es nicht wert. Nicht einmal für ein Kind. Vor allem, wenn ein Kind das Gefühl hat, wegen ihm können die Eltern nicht ihr Leben verwirklichen und müssen zusammen bleiben. Eben weil ein Kind da ist. Super.

Eltern sind aber eben auch nur Menschen und das sollten wir nicht vergessen. Auch sie haben und hatten Träume. Heute weiß ich, dass meine Mutter ihre Träume aufgab und das ich eben so bin, wie ich bin, weil mich es so empörte, dass sie es nicht konnte. Ich kann sie durch dieses Wissen endlich als „FRAU“ und nicht als mahnende Mutter mit Zeigefinger sehen. Sie hat alles für mich getan, alles was sie konnte und das tat sie in bester Absicht und aus LIEBE. Sie verzichtete für mich.

Es ist viel Arbeit, für alles die Verantwortung zu übernehmen. Auch für das eigene Leben und den dazugehörigen unerfüllten Kinderwunsch.

Es ist leicht, über andere Menschen zu urteilen und ihnen etwas zu sagen, was man selber nie tun musste.
Es gibt jedenfalls keine Garantien auf Glück und alles zu erreichen. Auch nicht auf Kinder und, dass sie gesund sind. Und auch nicht darauf, dass ich glücklich bin, wenn ich alles Erträumte erreicht habe.
„Leben ist das, was passiert, während du fleißig dabei bist, andere Pläne zu schmieden.“

Ich habe keine Antworten auf die Frage, auf das wie und das warum. Und warum das eine Leben so und das andere Leben so verläuft. Alles hat seine Zeit. Und man lebt immer aus den Möglichkeiten der eigenen Zeit und dem Zeitgeist heraus. Und nicht immer ist alles wirklich möglich und erstrebenswert. Oder ist man bereit, den Preis zu zahlen und sich seine Werte zu verkaufen.

Auch in „La La Land“ durften die Protagonisten sich noch einmal über den Weg laufen und die Wunsch-Erfüllung ihres großen Traumes sehen. Und in die geplatzte Seifenblase ihrer „großen“ Liebe schauen. Sie können sich noch einmal in die Augen sehen, lächeln und dem anderen zeigen, dass sie sich freuen, dass man seinen „Traum“ nach den eigenen Werten und Vorstellungen verwirklich hat. Auch, wenn es eben seinen Preis hatte, einen anderen Traum dafür aufzugeben. Es ist immer eine Entscheidung, einen Traum zu leben. Und alles im Leben hat seinen Preis. „Du bist noch jung, du wirst deine Meinung noch dreimal ändern!“

Ich glaube, es ist auf jeden Fall wert, das Leben nach den eigenen Werten zu leben. Vielleicht macht es zufriedener und bescheidener. Auf jeden Fall ist es ein guter Anfang für ein glückliches Leben.

 

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